Randegg

Für Randegg wurde leider noch kein Gedenkstein erstellt.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie sich an der Realisation beteiligen könnten und unser Projekt somit bald vollständig umgesetzt wäre. Nähere Informationen dazu finden Sie beim Menüpunkt „Gedenksteinprojekt “.

Geschichtsabriss:

Um 1560 (andere Angabe: 1679) sollen sich die ersten jüdischen Familien im reichsritterschaftlichen Dorfe Randegg niedergelassen haben. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden zur Wiederbelebung der Wirtschaft und für den Wiederaufbau nach Randegg geholt. Eine erste, hölzerne Synagoge gab es hier bereits Ende des 17.Jahrhunderts; um 1800/1810 wurde ein Neubau errichtet, der mitten im Dorfe an der Hauptstraße lag und bis 1938 als Gotteshaus diente. An das Synagogengebäude waren das Rabbinat und eine 1844/1845 neu erbaute jüdische Schule angeschlossen. Vor der Einrichtung einer Schule wurden den jüdischen Kindern Elementarkenntnisse vom Rabbiner oder Vorsänger vermittelt. Erster Lehrer war Leopold Moos; anlässlich seines 50-jährigen Dienstjubiläums (1863) erhielt es in einem feierlichen Festgottesdienst die ihm vom Großherzog verliehene Verdienst-Medaille. Die israelitische Volksschule bestand bis 1876. Unter Eljakim Picard (geb. 1822), der an seinem Geburtsort fast fünf Jahrzehnte (von 1856 bis 1903) als Rabbiner tätig war, war die Randegger Gemeinde stark religiös geprägt. Das seit Mitte des 18.Jahrhunderts in Randegg bestehende Rabbinat endete 1924 mit dem Weggang des letzten Rabbiners Emanuel Donath; anschließend betreute der Bezirksrabbiner aus Gailingen die hiesige Ortsgemeinde. Der jüdische Friedhof muss vermutlich Ende des 17.Jahrhunderts bzw. im beginnenden 18.Jahrhundert im Gewann „Flözler“ angelegt worden sein; er grenzte unmittelbar an Schweizer Gebiet. In den Jahren zuvor war die Begräbnisstätte in Gailingen genutzt worden. Der nach 1945 mehrfach schwer geschändete jüdische Friedhof weist heute noch etwa 330 Grabsteine auf. Zwischen 1895 und 1938 gehörten die Juden Villingens als Filialgemeinde der Randegger Kultusgemeinde an. Zur Zeit des Synagogenbaus stellten die Juden in dem kleinen Ort etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Die höchste Zahl jüdischer Bewohner wurde um 1850 mit ca. 350 Personen erreicht. Die Randegger Juden lebten damals größtenteils vom Viehhandel und betrieben zumeist eine kleine Landwirtschaft im Nebenerwerb. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es zahlreiche jüdische Gewerbetriebe und Läden am Ort. Einen koscher geführten jüdischen Gasthof (später dann „Hotel zur Krone“) gab es bereits seit den 1840er Jahren im Ort. Mitte des 19.Jahrhunderts setzte mit der vollständigen bürgerlichen Gleichstellung der Juden die Landflucht auch in Randegg ein.

In der NS-Zeit - 1933-1940

Nach 1933 mussten die wenigen jüdischen Betriebe aufgeben; wer konnte, wanderte ab. Während des Novemberpogroms von 1938 wurde die Randegger Synagoge durch ein SS-Kommando aus Radolfzell zerstört; eine Sprengladung ließ die Decke der Synagoge einstürzen; dabei wurden wertvolle Ritualien vernichtet. Unmittelbar vor der Zerstörung waren die Randegger Juden von einem SS-Trupp eingesperrt worden. Die Synagogenruine wurde wenig später abgerissen. - Am 22.Oktober 1940 wurden die 17 damals noch in Randegg lebenden jüdischen Einwohner ins südfranzösische Lager Gurs deportiert. Mindestens 23 Randegger Juden wurden Opfer der Shoa.

In der Otto-Dix-Straße in Randegg erinnert seit 1968 in einer Parkanlage ein Gedenkstein an die frühere Synagoge von Randegg. Eine in ihrer Gestaltung ungewöhnliche stählerne Skulptur, in die Leerräume mit 59 Namen hinein gestanzt sind, erinnert seit August 2014 auf dem neu gestalteten Randegger Synagogenplatz an jene Mitbürger, die im Zuge des Pogroms von 1938 aus Randegg vertrieben wurden.

Literatur zu Randegg

„Jüdische Kultur im Hegau und am See“, in: HEGAU – Zeitschrift für Geschichte, Volkskunde und Naturgeschichte des Gebietes zwischen Rhein, Donau und Bodensee, Jahrbuch 64/2007, S. 59 – 62, S. 103 – 120, S. 121 – 126, S. 197/198 und 217 – 224

Baumann, Ulrich: Zerstörte Nachbarschaften. Christen und Juden in badischen Landgemeinden 1862 - 1940, in: Studien zur jüdischen Geschichte Band 7, Hamburg 2001

Biehler, Matthias: Ein Mahnmal am Straßenrand, in: Südkurier vom 22.8.2014

Denzel, Otto: Aus der Geschichte des Schlosses und des Dorfes Randegg im Hegau, in: Festschrift zur 100-Jahrfeier des Gesangvereins Randegg, 1967

Fidler, Helmut: Jüdisches Leben am Bodensee, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2011

Fleischmann, Dieter: Auf den Spuren des jüdischen Randegg, in: Wolfgang Kramer (Hrg.), Gottmadingen vom Bauerndorf zur Industriegemeinde, Gottmadingen/Radolfzell 1997, S. 513 – 525

Hahn, J. / Krüger, J.: “Hier ist nichts anderes als Gottes Haus ...” Synagogen in Baden-Württemberg, Teilband 2: Orte und Einrichtungen, Stuttgart 2007, S. 160 – 162

Hahn, Joachim: Erinnerungen und Zeugnisse jüdischer Geschichte in Baden-Württemberg, Stuttgart 1988, S. 305/306

Hammer-Schenk, Harold: Synagogen in Deutschland. Geschichte einer Baugattung im 19. u. 20.Jahrhundert, Hamburg 1981, Teil 1, S. 24 und Teil 2, Abb. 12

Hundsnurscher, F. / Taddey, G.: Die jüdischen Gemeinden in Baden - Denkmale, Geschichte, Schicksale, Hrg. Archivdirektion Stuttgart, Stuttgart 1968, S. 239 – 243

Kustermann, A.P. / Bauer, D.R. (Hrg.): Jüdisches Leben im Bodenseeraum - Zur Geschichte des alemannischen Judentums, Ostfildern 1994, S. 47 f.

Moos, Samuel: Die Geschichte der Juden im Hegaudorf Randegg, Hrg. im Auftrag der Gemeinde Gottmadingen, Hegau-Bibliothek, Band 42/ 1986

Mühlinghaus, Gerhard Wilhelm Daniel: Der Synagogenbau des 17. u. 18.Jahrhunderts im aschkenasischen Raum, Dissertation, Philosophische Fakultät Marburg/Lahn, 1986, Band 2, S. 288

Preuß, Monika (Bearb.), Der jüdische Friedhof in Gottmadingen-Randegg, Unveröffentlichte Grunddokumentation des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg, 1995

Sauer, Paul: Die Judengemeinden im nördlichen Bodenseeraum, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 128.Bd./1980, S. 327 ff.

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