Muggensturm

Der Muggensturmer Gedenkstein wurde von den Konfis der Evangelischen Dreieinigkeitsgemeinde gestaltet. Sie wurden dabei von Pfarrerin Tina Blomenkamp der Dreieinigskeitgemeinde und dem Kreativkreis Muggensturm begleitet.

Beschreibung des Muggensturmer Gedenksteines

Zum Gedenken an Frieda und Moritz Heimann haben die Konfirmandinnen und Konfirmanden der Evangelischen Dreieinigkeitsgemeinde gemeinsam mit einigen Mitgliedern des Kreativkreises Muggensturm diesen Stein konzipiert. Der gebrochene Davidstern zeigt das Leid, das den Menschen angetan wurde. Er besteht aus wertvollen Materialien, aus dunklem und hellem Marmor, um die dunkle Zeit und gleichzeitig die Lichtblicke zu symbolisieren. Überstrahlt und zusammengehalten wird der gebrochene Davidstern von einem leuchtendroten, ganzen Davidstern. Er steht für die Liebe und für unsere Hoffnung, dass so etwas nie wieder geschieht.

Geschichtsabriss:

Die jüdische Gemeinde Muggensturm formierte sich im 18. Jahrhundert. Ihre Mitglieder waren größtenteils arm, weshalb sie sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts zum Gottesdienst in einem Dachzimmer trafen. 1835 erwarb die jüdische Gemeinde eine Scheune, die sie zu Synagoge ausbauen ließ, im Erdgeschoss wurde 1837 eine Mikwe eingerichtet. Als größerer jüdischer Gewerbebetrieb Muggensturms existierte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Tüten-, Papierwaren- und Kartonagefabrik Dreyfuss & Roos. 1926 beschäftigte die Firma Vogel&Schnurmann (Lumpensortieranstalt und Lederhandel) 700 Mitarbeiter. Die jüdische Gemeinde Muggensturm war immer eine kleine Gemeinde, weshalb sie nicht den Status einer autonomen Gemeinde erreichte, sondern als Filiale der Rastatter Gemeinde angegliedert war. 1875 umfasste sich 80 Mitglieder (4,2 % der Ortsbevölkerung), 1900 waren es nur noch dreißig. 1913 löste sie sich auf; das Synagogengebäude wurde verkauft (Abbruch 1973). 1924 lebten noch fünf Menschen mit jüdischem Glauben im Ort.

Die Deportation in Muggensturm

Am frühen Morgen des 22. Oktobers 1940 die Gestapo nach Muggensturm stand nur der Metzger Moritz Heimann und seine Frau Frieda auf ihrer Liste. Moritz Heimann soll die Treppe in seinem Wohnhaus hinuntergestoßen worden sein, wie ein Muggensturmer Zeitzeugen berichtete: „Unser jüdischer Nachbar Moritz Heimann war ein guter Mensch, um die 70 Jahre. Sie haben ihn aus dem Haus gezogen, auf den LKW hochgeschmissen wie einen Sack. Die Abholer waren nicht aus dem Ort. Die Gestapo kam aus Rastatt.“ Der Hausrat des Ehepaars Heimann wurde später von der politischen Gemeinde öffentlich versteigert. Moritz Heimann verstarb am 25. Juli 1943 mit 62 Jahren in Noé, einem Nebenlager von Gurs. Seine Frau Frieda wurde am 30. Mai 1944 über das Sammellager Drancy bei Paris nach Auschwitz deportiert. Sie gehörte zu den wenigen, die die Nazis nach ihrer Ankunft in Auschwitz nicht in die Gaskammer schickten, sondern zum Arbeitseinsatz in andere Lager. Im November 1944 kam Frieda Heimann in das KZ Bergen-Belsen; das Kriegsende erlebte sie in Salzwedel, wo sie in einer Patronenfabrik eingesetzt war. Sie wog nur noch 47 kg. Ein Bericht über ihre Haftzeit endet mit dem Satz: „Dass ich überlebte und später wieder nach Karlsruhe zurückkehren konnte, ist mir bis heute ein Rätsel geblieben.“ Bis zu ihrem Tod 1985 lebte Frieda Heimann in Karlsruhe. Der Muggensturmer Gedenkstein wurde von Konfis der evangelischen Kirchengemeinde Muggensturm gestaltet. Diese wurden unterstützt durch eine Kunstkreis der Gemeinde Muggensturm. Er wird am 18. Oktober 2020 in einer Gedenkfeier anläßlich des 80. Jahrestages der Deportation auf dem Mahnmal in Neckarzimmern eingeweiht.

Literatur

Hahn, J. / Krüger, J.: “Hier ist nichts anderes als Gottes Haus ...” Synagogen in Baden-Württemberg, Teilband 2: Orte und Einrichtungen, Stuttgart 2007, S. 334/335

Hahn, Joachim: Erinnerungen und Zeugnisse jüdischer Geschichte in Baden-Württemberg, Stuttgart 1988, S. 443/444

Hundsnurscher, F. / Taddey, G.: Die jüdischen Gemeinden in Baden. Denkmale, Geschichte, Schicksale, in: Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg, Band 19, Stuttgart 1968, S. 245 f.

Schneider, Ernst: Muggensturmer Ortschronik , o.O. 1985, S. 128 - 130

Schneider, Ernst / Jung, Christian: Tradition durch Erinnerung . Die Geschichte von Muggensturm - Historisches Lesebuch, Ubstadt-Weiher u. a., 2019, S. 80-88

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