Merchingen

Für Merchingen wurde leider noch kein Gedenkstein erstellt.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie sich an der Realisation beteiligen könnten und unser Projekt somit bald vollständig umgesetzt wäre. Nähere Informationen dazu finden Sie beim Menüpunkt „Gedenksteinprojekt “.

Geschichtsabriss:

Eine jüdische Gemeinde in Merchingen existierte seit dem 17.Jahrhundert. Gegen Mitte des 18.Jahrhunderts zählte die jüdische Gemeinde mehr als 200 Angehörige; ihren Höchststand erreichte die Zahl der Gemeindeangehörigen um 1850; danach ging diese infolge Auswanderung bzw. Abwanderung und Geburtenrückgang rapide zurück. Ihre erste Synagoge, ein umgebautes Privathaus, war bereits um 1740 vorhanden, eine neue wurde in der Schollbergstraße Mitte des 19.Jahrhunderts eingeweiht. Eine Mikwe war in einem kleinen Gebäude an der Schafbrücke untergebracht. Im 19.Jahrhundert existierte bis 1869  auch eine jüdische Elementarschule am Ort. Die verstorbenen Merchinger Juden wurden zunächst auf den Friedhöfen in Berlichingen und Bödigheim bestattet; ab 1812 stand dann ein eigener Friedhof am Wurmberg, an der Straße nach Ballenberg, zur Verfügung (rund 300 Gräber erhalten). Ab 1827 war Merchingen über 50 Jahre Sitz eines Bezirksrabbinats. Ab 1883 wurde das Merchinger Bezirksrabbinat nicht mehr besetzt, ab 1886 von Mosbach aus mit verwaltet und schließlich bald ganz aufgehoben. Seit ca. 1900 waren auch die wenigen Juden aus Osterburken Merchingen angegliedert. Um 1840/1850 hatte die jüdische Gemeinde mit mehr als 320 Angehörigen ihren Höchststand erreicht; fast ein Drittel der Merchinger Einwohner waren Juden. In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts wanderten viele jüdische Familien aus Merchingen ab. Neben Vieh- und Fruchthandel betrieben die Juden Merchingens auch Ladengeschäfte oder übten Handwerkerberufe aus.

In der NS-Zeit - 1933-1945

Während der „Kristallnacht“ vom November 1938 wurde die Synagoge von SA-Angehörigen demoliert und der jüdische Kantor misshandelt. Diese Vorgänge beschleunigten die Auswanderung der wenigen jüdischen Familien; die letzten drei verbliebenen jüdischen Bewohner des Ortes wurden im Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Mindestens zehn jüdische Einwohner Merchingens wurden Opfer der Shoa.

Gedenken

Ein Gedenkstein und eine Gedenktafel erinnern seit 1983 an die Geschichte des ehemaligen Synagogengebäudes, das 1951 in eine katholische Kirche umgewidmet wurde. In den Straßen Merchingens wurden 2012 erstmals „Stolpersteine“ verlegt.

Literatur

Hahn, J. / Krüger, J.: “Hier ist nichts anderes als Gottes Haus ...” Synagogen in Baden-Württemberg, Teilband 2: Orte und Einrichtungen, Stuttgart 2007, S. 386 – 389

Hahn, Joachim: Synagogen in Baden-Württemberg, Stuttgart 1987, S. 89

Hahn, Joachim: Erinnerungen und Zeugnisse jüdischer Geschichte in Baden-Württemberg, Stuttgart 1988, S. 392 ff.

Hundsnurscher, F. / Taddey, G.: Die jüdischen Gemeinden in Baden - Denkmale, Geschichte, Schicksale, Hrg. Archivdirektion Stuttgart, Stuttgart 1968, S., S. 198 – 200

Landauer, R. / Lochmann, R.: Spuren jüdischen Lebens im Neckar-Odenwald-Kreis, hrg. vom Landratsamt NOK, 2008

Nir, Benjamin Wolf: Dokumentation des jüdischen Friedhofs in Merchingen, Hrg. Stadt Ravenstein 2004

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