Friesenheim

Gruppe: 2006 / Evangelische Jugendgruppe „Salzstangen“

Der Friesenheimer Memorialstein besteht aus einer quadratischen Säule aus Schwarzwaldgranit, die in zwei Teile zerbrochen ist. Der Säulenschaft trägt die Inschrift „Leben in Friesenheim“; daneben liegt der abgebrochene Teil mit der Inschrift „Gurs“.
Das zerbrochene Kunstwerk symbolisiert die Zerstörungen der jüdischen Lebenswelt in Deutschland und die Brüche im Lebensweg der deportierten Menschen.


Vor Ort: Neben dem neuen Rathaus Friesenheim

Geschichtsabriss:

Die Ende des 17. Jahrhunderts entstandene Gemeinde Friesenheim gehörte zum Bezirksrabbinat Schmieheim-Offenburg. Vorübergehend hatten bereits im 15. und 16. Jahrhundert Juden am Ort gelebt. In der NS-Zeit kamen von den 1933 in Friesenheim wohnhaften 33 jüdischen Personen mindestens 11 ums Leben. Das heutige Bebauungsgebiet „Hochgasse“ trug im 18. Jahrhundert die Bezeichnung „auf der Judengasse“. In diesem südlich der Ortsmitte gelegenen Gebiet wurde 1820 eine Synagoge erbaut (Lahrgasse 8). Damals umfasste die jüdische Gemeinde etwa 50 Mitglieder. Das Synagogengebäude war unmittelbar an der Rückseite eines Wohnhauses angebaut. Es handelte sich um ein kleines und unscheinbares Gebäude, welches sich von einem Wohnhaus nur durch seine hohen Fenster unterschied. Ein Drittel des 16 mal 9 Meter großen Gebäudes gehörte nicht zum Betsaal, sondern wurde im Erdgeschoss als Lagerraum genützt, über der die Wohnung des jüdischen Lehrers bzw. Vorsängers lag. Am 17. Juni 1940 ging das Gebäude, dessen Steuerwert 1938 auf 8000 RM veranschlagt wurde, für 1000 RM in den Besitz der politischen Gemeinde über, die es 1944 abreißen ließ. An seiner Stelle wurde ein Schopf (Scheune) erstellt. 1950 wurde dieser zu einem behelfsmäßigen Wohnhaus umgebaut, das noch einige Zeit als Obdachlosenasyl Verwendung fand, aber um 1990 abgebrochen wurde.

Seit Mai 1995 heißt das kurze Wegstück, das zur Synagoge führte (Bereich Lahrgasse) „Synagogengasse". Hier findet sich auch eine 1999 angebrachte Gedenktafel. Die israelitische Gemeinde Friesenheim besaß ein Ritualbad in der Mühlgasse, das vom Mühlbach gespeist wurde. Das Gebäude steht noch. Ihre Toten bestatteten die Friesenheimer Juden auf dem Verbandsfriedhof in Schmieheim.

Am 22. Oktober 1940 wurden 9 Friesenheimer Juden in das Internierungslager Gurs in Südwestfrankreich verschleppt An sie erinnert das 2006 vom evangelischen Jugendkreis Friesenheim im Rahmen des „Ökumenischen Jugendprojektes Mahnmal“ gestaltete Mahnmal vor dem evangelischen Gemeindehaus.

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